Geschichte

Vom «Café tranquille» zum wilden «Buddy’s Pub»

Das «Buddy’s Pub» – kurz einfach «Pub» – ist eine Institution in der Gastronomielandschaft des weltbekannten Tourismusortes Interlaken. Das gemütliche Lokal blickt seit seiner Eröffnung 1969 auf eine bewegte Geschichte zurück. Bis im Oktober 2011 lockte das Pub an bester Lage – im Erdgeschoss des Hotels Splendid direkt am Höheweg, der Promenade Interlakens – zahlreiche Einheimische und Gäste aus aller Welt an. Im Herbst 2011 schloss das «Buddy’s Pub» allerdings seine Tore: Das Hotel Splendid wechselte den Besitzer und das bekannte Lokal musste einem Uhrengeschäft weichen. Ein letztes Mal feierten Stammgäste am Sonntag, 23. Oktober 2011 in Ihrem zweiten Zuhause. Wie es danach mit dem «Buddy’s» weitergehen sollte, war lange Zeit unklar. Doch der Reihe nach:

Alles begann mit einer Werbereise

Interieur «Buddy's Pub» 1969.
«Buddy’s Pub» 1969.

«Public houses» unter diesem Namen sind die Pubs in England bekannt. Hier kann man sich von der Hektik der Stadt zurückziehen und in gemütlicher Atmosphäre ein kühles Bier geniessen. In Ruhe die Zeitung lesen. Oder neue Freunde treffen. Der Interlakner Hotelier Helmut Hassenstein reiste 1968 nach England. Eigentlich war die Reise als Werbetour geplant – Englische Gäste belebten in den 60er-Jahren hauptsächlich das touristische Strassenbild Interlakens. Neben zahlreichen Kontakten brachte Hassenstein aber auch eine neue Idee mit nach Hause: Interlaken brauchte sein eigenes Pub. Nichts schien dafür besser geeignet als die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des eigenen Hotels. Bislang wurden diese als Restaurant genutzt – im Volksmund war der Treffpunkt auch als «Café tranquille» bekannt. Mit der Ruhe sollte es aber bald vorbei sein.

«The Churchill Arms»

Urkunde «The honorable Society of English Pubs».
Urkunde «The honorable Society of English Pubs».

Unter dem Namen «The Churchill Arms» öffnete das Pub im Mai 1969 im Erdgeschoss des Hotel Splendid an bester Lage seine Tore. Interieur, Service, Angebot – alles wurde nach dem Vorbild der Pubs in England übernommen. Aufgenommen in die Reihen  «The honorable Society of English Pubs»trug das «The Churchill Arms» ab dem 9. Mai 1969 offiziell den Titel des ersten original Englischen Pubs in der Schweiz. Das Lokal entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt – nicht nur für internationale Gäste. Auch Einheimische trafen sich nach Feierabend oder am Wochenende gerne im Pub auf ein Bier und einen angeregten Schwatz. Der Name «The Churchill Arms» – offiziell genehmigt durch die Churchill-Tochter Lady Spencer – wich schon bald der Bezeichnung «Buddy’s». Dies in Anlehnung an Hassensteins Spitzname «Hassebuddy». Auch wenn sich die Bar- und Club-Landschaft in Interlaken über die nächsten Jahre laufend änderte und erweiterte und der Splendid-Familienbetrieb zwei Mal in die Hände der jüngeren Generation übergeben wurde  – das «Buddy’s Pub» bliebt mit seinem bewährten Konzept und kleineren Anpassungen im Angebot ein sicherer Wert in der Gastrolandschaft Interlakens.

 

Goodbye «Buddy’s»

Abschied im Pub. Oktober 2011.
Abschied im Pub. Oktober 2011.

Über die Jahre trafen sich «Büezer», Gemeindepräsidenten, Touristen und Einheimische, Banker und Maler, Männlein und Weiblein, Jung und Alt tagein tagaus im «Buddy’s Pub». 364 Tage im Jahr geöffnet – so lautete der damalige Slogan des «Buddy’s». Das Pub schloss traditionellerweise nur an einem Tag im Jahr seine Tore: Wenn der grosse Frühlingsputz und anschliessend der Personalausflug der Hotel-Splendid-Crew anstand. Doch die Zeiten – insbesondere was den Tourismus in Interlaken betraf – änderten sich. Bevölkerten in den 90er und den frühen Nullerjahren noch zahlreiche europäische Touristen die Strassen Interlakens, sind es seit einiger Zeit hauptsächlich Gäste aus dem asiatischen und arabischen Raum. Das Reise- und Konsumverhalten der Gäste änderte sich drastisch, die Hotellerie sah sich vielerorts gezwungen, ihr Angebot nach den neuen Gästeschichten auszurichten. Die Nachfolgeregelung in traditionsreichen Interlakner Hotellerie-Betrieben erwies sich zudem nicht immer als einfach. Und so traf es schlussendlich auch das Hotel Splendid – und mit ihm das «Buddy’s Pub», nach über 15’000 erfolgreichen Betriebstagen. Doch die Pub-Gäste und auch die Hoteliersfamilie Hassenstein waren sich einig: Einfach so darf das Pub nicht verschwinden! Daher wurde das Mobiliar ausgebaut und eingelagert. Vielleicht würde es ja gelingen, das Pub zu einem späteren Zeitpunkt an einem neuen Ort wiederzubeleben.

Eine Idee gewinnt an Fahrt

Flashmob vor dem Pub. 2012.
Flashmob vor dem Pub. 2012.

«Wir brauchen wieder ein Pub!», «Ach, wie sehr ich heute das Pub vermisse!» – diese und weitere Aussprüchen waren in Interlaken in den letzten Jahren des Öfteren zu hören. Die Stammkundschaft des «Buddy’s Pub» verteilte sich – verkehrte von nun an in anderen Lokalen. Eine Gemeinschaft wurde auseinander gerissen. Auch weitere Traditionslokale – wie etwa der «Bären» Interlaken – verschwanden von der gastronomischen Landkarte. Pub-Gäste trafen sich organisiert zu diversen «Flashmobs» und «Sitzstreiken» vor den Räumlichkeiten des alten Pubs. Nicht immer sehr zur Freude der Betreiber des Uhrengeschäftes. Im versteckten gärte langsam die Idee, das «Buddy’s» als Genossenschaft weiterzuführen. Und vor allem: Einen Treffpunkt für die einheimische Bevölkerung zu schaffen. Nur wo? An bester Lage sind die freien Geschäftslokale dünn gesät und die Mieten hoch. Eines Tages kam Schreiner, Steinstösser und Gemeinderat Peter Michel die Idee: Der Grundriss in seiner Liegenschaft an der Blumenstrasse 7 entsprach ziemlich genau den räumlichen Bedürfnissen für ein neues «Buddy’s Pub». Die Lage ist zwar etwas versteckt, dessen waren sich die Initianten von Anfang an bewusst, dennoch: Es ist ein Versuch wert! Denn je länger das Pub geschlossen bleibt, umso mehr gerät es in Vergessenheit.

 

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